Montag, 23. April 2012

Good bye, Canada - Au revoir, Canada!

Der letzte komplette Tag in Kanada. Am späten Vormittag fuhr ich auf die Toronto Islands, eine der Stadt vorgelagerte Inselgruppe im Lake Ontario. Die einzige Verbindung zur Stadt besteht aus Fähren. Im Winterhalbjahr ist auch nur eine von drei Routen in Betrieb. Die Fähre führte mich auf Wards Island. Unterwegs gab es tolle Ausblicke auf die Skyline Torontos:



Der CN Tower (links) stand eigentlich auch auf meiner Agenda, als ich aber sah, dass der Turm teilweise schon von Wolken umgeben war, verzichtete ich darauf, den Eintritt zu zahlen und dann doch kaum eine Aussicht zu haben.



Wards Island dient auch als Naherholungsgebiet für die Bewohner Torontos, doch beim ungemütlichen, nasskalten und windigen Wetter schien die Insel fast ausgestorben:



Mir hat das Wetter hier auch nicht behagt, also ging es auch recht schnell wieder zurück:



Am Air Canada Center, wo ich am Abend zuvor das NBA-Spiel angeschaut habe, kaufte ich mir ein Ticket für das Lacrosse-Spiel zwischen Toronto Rock und Philadelphia Wings am selben Abend.



Doch zunächst sollte mich mein Weg noch zu einer anderen Sportart führen. Ja, richtig geraten, Eishockey. ;)

Toronto Marlies vs. St. John's IceCaps 1:2 (0:1, 1:0, 0:1).

Ricoh Coliseum, Toronto; 5.370 Zuschauer


Statistik zum Spiel

Die Toronto Marlies, das Farmteam der Maple Leafs, spielten gegen die St. John's Icecaps. Die Gäste hatten immerhin eine etwa vierstündige Flugreise von Neufundland zu diesem Spiel hinter sich. Müde waren sie aber nicht, denn auch hier gelang den Marlies kein Heimsieg, obwohl auch sie als Tabellenführer der North Division in der Favoritenrolle waren. Die Partie fand im nur zur Hälfte gefüllten Ricoh Coliseum statt.



Mit Korbinian Holzer und Marcel Müller spielen zwei Deutsche bei den Marlies.





Die IceCaps, die in der Atlantic Division der AHL Tabellenführer waren, haben auch verdient gewonnen - der Sieg hätte durchaus noch höher ausfallen können. Am Ende blieb es aber beim 1:2 für St. John's. Die Stimmung beim Spiel war eher mittelmäßig. Da merkte man doch, dass die Marlies nur das "Zweitteam" Torontos ist.

Direkt nach dem Eishockey-Spiel ging's wieder zum Air Canada Center.

Toronto Rock vs. Philadelpha Wings 8:14

Air Canada Center, Toronto; 10.360 Zuschauer


Lacrosse war mir zuvor gar nicht bekannt, ich kannte noch nicht einmal die Regeln. Dies sollte aber kein Problem sein, es gab nämlich kaum welche. Ein Angriff muss nur in 30 Sekunden abgeschlossen werden, man darf nach Überquerung der Mittellinie nicht mehr mit dem Ball zurück in die eigene Hälfte und Angriffe von hinten sind nicht erlaubt. Von Bodychecks, über Schläge mit dem Stick bis hin zu kleineren Rangeleien wurde aber sonst nichts abgepfiffen.



Toronto Rock ist der amtierende Meister der Nation Lacrosse League. Auch hatte Toronto zwei Wochen zuvor mit 15:6 in Philadelphia gewonnen. Also war auch hier wieder das Heimteam in der Favoritenrolle. Und was geschah? Richtig - wieder eine Niederlage für die Heimmannschaft!



Toronto verlor deutlich mit 8:14.



Danach ging's auch schnell wieder zum Hotel, weil ich noch meinen Koffer für den nächsten Tag packen wollte.

Zum siebten und letzten Tag gabs eigentlich nicht mehr viel zu sagen, denn das war der Abreisetag. Morgens habe ich noch im Eaton Center ein paar Sachen eingekauft, bevor ich dann zum Flughafen fuhr. Immer wieder erstaunlich, wie schlecht manche Flughäfen in Nordamerika mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden sind. Der Pearson Airport ist nur mit dem Bus zu erreichen. Und das auch erst, nachdem man mit der U-Bahn vom Zentrum bis zur Endstation gefahren ist...

"Spoiler": Jetzt kommt ein launiger Bericht über den Rückflug. Bitte nicht allzu ernst nehmen und die fehlenden Fotos entschuldigen ;)

Über Rom und Wien gings zurück nach Hannover. Dabei war der Transatlatikflug Toronto-Rom wesentlich unangenehmer als der Hinflug. Neben mir saß eine Ghanaerin, die anscheinend Beziehungsprobleme hatte (Handy-Telefonat auf dem Weg zur Startbahn: "Why do I deserve this?"). Ich überlegte, was wohl passiert, wenn ich mich tiefgehender mit ihr unterhalten würde: Fängt sie dann an zu weinen? Nein, das wollte ich unter allen Umständen vermeiden - also lieber nur ein kurzes Gespräch über die Qualität des Essens. In Anbetracht der Essensqualität war das Gespräch dann auch wirklich kurz ("Is your meat THAT stringy, too?" - "Yes, it is.").

Schräg vor mir saß im Mittelblock ein Italiener, der mit der Gesamtsituation unzufrieden war. Er fing bereits beim Boarding einen Streit mit dem Flugbegleiter an, weil er seinen Trolley vier Reihen weiter vorne unterbringen musste (so habe ich das Gespräch zumindest gedeutet - bei Italienern weiß man ja nie, ob sie sich nur normal unterhalten oder streiten... ;) ). Jedes Mal, wenn ein Crew-Mitglied vorbeiging, fing er ein lebhaftes Gespräch an. Und ich wollte auf dem Nachtflug einfach nur schlafen. Dieses Vorhaben wurde desweiteren durch einen Passagier erschwert, der statt Kopfhörer wohl Lautsprecher an den Audioausgang angeschlossen hatte und so den "Peppino"-Film (der übrigens das einzige "Entertainment" war, das man mithilfe von Untertiteln auch auf Englisch verstehen konnte) geschaut hat. Und als mein Freund, der wahrscheinlich bei jeder US-Airline schon vor dem Start entfernt worden wäre, beim Socken ausziehen gegen mein Bein stieß, wäre ich fast explodiert. Man muss dazu sagen, dass seine Füße in meiner Erinnerung auch nicht unbedingt die saubersten waren.

Wenig später - ich war natürlich wieder kurz vorm Einschlafen - wollte er seine Armlehne nach oben klappen. Dass dies auf den Gangplätzen nicht geht, hat ihm wohl keiner der Besatzung in den ca. 284 Gesprächen vorher erzählt. Daher wollte er dieses "Problem" mit Gewalt lösen. Nach mehreren Schlägen, sowohl seitlich, als auch von oben und unten, gegen die Armlehne, bewegte sie sich immer noch nicht und er schien sich langsam mit dieser Tatsache abzufinden. Er war auch während des gesamten Fluges nicht angeschnallt, was mich irgendwann zu gewissen Gedanken verführte ("Hoffentlich kommt gleich ein Luftloch...").

Die Rache folgte aber nur wenigen Minuten später. Beim Durchgehen mit dem Getränkewagen stieß die Flugbegleiterin gegen sein Knie. Ein lauter Aufschrei ging durch die Kabine und ich musste mich doch etwas beherrschen, damit ich nicht anfing zu lachen. Anscheinend war es aber nicht so schlimm, denn nur 20 Minuten später verhandelte er in der hinteren Galley mit den Flugbegleitern über den Preis (oder die Menge...) der Duty-Free-Zigaretten.

Alles in allem: Mit Alitalia kann man fliegen, wenn

- man keinen Nachtflug hat
- der Flug nicht länger als zwei Stunden dauert
- man keinen Wert aufs Essen legt
- einem die Mitpassagiere egal sind
- man Italienisch spricht, um die beiden Filme zu verstehen

Sonst gibt es sicherlich bessere Alternativen. Dennoch ein großes Lob an die Crew, die trotz der widrigen Umstände jederzeit bemüht war, den Flug so angenehm wie möglich zu machen.

In Rom hatte ich zwei Stunden Aufenthalt und musste wieder einmal feststellen, dass man um 8 Uhr morgens am dortigen Flughafen nichts ordentliches zu essen bekommt. Immerhin war es nach meiner biologischen Uhr zwei Uhr in der Nacht. Da steht einem der Sinn eher nach etwas Deftigerem als dem Mc-Donalds-Frühstück. Naja, also ging's dann mit einem Salami-Rucola-Brötchen für 4,30 Euro weiter nach Wien. Der Flug hatte am Ende 1,5 Stunden Verspätung, was ich aber nicht sonderlich schlimm fand, da mein Flug nach Hannover erst sechs Stunden später abfliegen sollte.

Nachdem die Wartezeit in Wien dann "nur" noch fünf Stunden waren, ging's mit Air Berlin auf den letzten Abschnitt der Flugreise. In Hannover trennte mich dann nur noch eine gute einstündige Bahnfahrt von Osnabrück.

Fazit: Wenn immer wieder gesagt wird, dass (Süd-)Kanada im Winter nicht unbedingt empfehlenswert ist - das stimmt definitiv nicht! Ich habe es sehr genossen, dass wenig Touristen dort waren. Die Attraktionen waren alle nicht überlaufen (so stand ich einmal mit vier anderen Leuten an den Niagara Falls) und die Preise sind natürlich auch wesentlich besser. Das Hotel hat mich gerade einmal 12 Euro pro Nacht gekostet - inklusive Frühstück! Und ich denke auch, dass man in der Zeit viel besser das eigentliche Leben der Menschen dort kennenlernen kann als im Sommer, wenn Millionen von Touristen zeitgleich in die Region um Niagara Falls kommen. Toronto war ein Kapital für sich - eine Stadt, zu der man nicht leicht einen Zugang findet. Vielleicht war ich auch zu kurz dort, aber die größte Stadt Kanadas war für mich einfach nur eine beliebige nordamerikanische Großstadt. Ich muss jedoch sagen, dass ich bis auf die Innenstadt, einen Teil von Etobicoke (übrigens ein Viertel, in das man nachts nicht unbedingt geraten möchte) sowie Ward Island nicht viel von Toronto gesehen habe. Und vielleicht sieht die Stadt im Sommer auch wieder anders aus.

Also lautet mein Motto, ganz im Sinne des zweisprachigen Landes: "See you again!", "A la prochaine!"

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