Montag, 23. April 2012

Kanada, Tag 4

Am vierten Tag meiner Reise zog es mich zunächst in die Innenstadt von Niagara Falls. Unter Kanadiern ist die Stadt neben den Wasserfällen vor allem als kleine Version von Las Vegas bekannt. Mein Hotel hatte beispielsweise eine Hochzeitskapelle und in Downtown gab es Touristen-Attraktionen wie "Ripley's Believe it or not", die Guiness World of Records oder ein Dracula-Haus. Natürlich alles mit Reklameschildern.



Dies reizte mich weniger, also hatte ich mir am Tag zuvor noch ein paar andere Dinge ausgesucht. Dazu bediente ich mich Tripadvisor-Bewertungen. Auf den vorderen Rängen in der Bewertungs-Tabelle war unter anderem der "Whirlpool". Kurz hinter den Wasserfällen hat der Niagara River noch so viel Kraft, dass er an einer Biegung erst noch ein Stück geradeaus fließt und so eine Art "Blinddarm" geschaffen hat - der sogenannte "Whirlpool".

Hier ein paar Stromschnellen auf dem Weg dorthin:



Und hier der Whirlpool:



Über den Whirpool führt der Spanish Aero Car, eine Seilbahn, die in der Wintersaison jedoch außer Betrieb ist. Kann mir gut vorstellen, dass es auch bei solch einem Wetter nicht allzu angenehm ist, in etwa 60 Meter Höhe in diesem offenen Wagen zu sitzen:



Hier der Whirpool noch einmal von der anderen Seite. Schon beeindruckend, wie der Fluss aus dem steilen Canyon hier mündet:



Es gibt auch einen Wanderweg ins Tal, doch im Winter ist dieser eher nicht zu empfehlen - zumal dieser auch im Sommer aus Sicherheitsgründen offiziell nicht bis ganz zum Fluss geöffnet ist.

Dann wollte ich mir noch etwas anschauen und war sogar bereit, dafür Geld auszugeben. Ich sollte mich zwischen einem Schmetterlings-Konservatorium und einem Vogelpark entscheiden müssen. Den Ausschlag gab für das Schmetterlings-Konservatorium die Tripadvisor-Bewertung. Unter über 60 Attraktionen in Niagara Falls lag dieses nämlich auf Platz 2. Ich kann zwar nicht allzu viel mit den Tieren anfangen, aber ich dachte mir, "es wird schon nicht so schlecht sein, wenn viele Leute das gut bewertet haben". Falsch gedacht! Der Eintritt kostete etwa 12 Euro und ich hatte nach 15 Minuten eigentlich alles gesehen. Das Konservatorium besteht im Grunde nur aus einer einzigen Halle, in der Schmetterlinge herumfliegen. Ich habe dann noch versucht, die Zeit totzuschlagen, indem ich ein paar Fluginsekten fotografiert habe.





Gut, die Schmetterlings-Halle war also ein Reinfall. Ich fuhr den Niagara Parkway, den ich am Tag zuvor schon von Fort Erie bis Niagara Falls gefahren bin, weiter. Nun führte mich die Route in Richtung Niagara-on-the-Lake.

Zuerst kam ich an einem (bzw. vielmehr zwei) Wasserkraftwerk(en) vorbei. Eines liegt auf der amerikanischen, das andere auf der kanadischen Seite.

Das kanadische Kraftwerk:



und das amerikanische:



Ein paar Meter weiter gibt es eine Blumenuhr. Im Hintergrund sind die Stromleitungen des Wasserkraftwerks zu sehen. Leider auch hier die falsche Jahreszeit, um die Uhr wortwörtlich in voller Blüte zu sein. Dafür waren auch hier Gänse - fliegen die im Winter eigentlich nicht in den Süden?



Auf dem Weg nach Niagara-on-the-Lake gab es noch einmal einen schönen Blick über den mittlerweile zahmen Niagara River:



In Niagara-on-the-Lake, das für den historischen Stadtkern bekannt ist, war nicht allzu viel los.

Das Prince-of-Wales-Hotel an der Hauptkreuzung in der Stadtmitte:



Niagara-on-the-Lake ist das Zentrum des Weinanbaus in Ontario. So gab es an der Hauptstraße mit dem Bell Tower einige Restaurants, die mit Weinausschank geworben haben.



Wie der Name schon sagt, liegt die Stadt am See, genauer am Lake Ontario.



Auch hier war der Krieg zwischen den USA und Großbritannien 1812/15 ein wichtiges Ereignis. Das Fort Niagara im amerikanischen Youngstown:



1954 begründete Marilyn Bell eine Tradition: Schwimmend auf das gegenüberliegende Ufer des Sees zu gelangen. Dafür müssen mindestens 45 Kilometer zurückgelegt werden. Auf diejenigen, die es schaffen, wartet ewiger Ruhm im Form dieser Tafel:



Auf der Rückfahrt nach Niagara Falls ist mir ein zumindest für deutsche Ohren skuriller Straßenname aufgefallen:



Abends war wieder Eishockey angesagt. Und zwar ein Spiel derselben Liga wie Tags zuvor.

Thorold Blackhawks vs. Stoney Creek Warriors 5:2 (1:0, 2:1, 2:1)

Thorold Community Arena, 236 Zuschauer


Zur Statistik des Spiels

In der urigen Halle waren immerhin mehr als doppelt so viele Zuschauer anwesend als am Abend zuvor, nämlich 236.



Thorold war der Favorit und wurde seiner Rolle auch gerecht. Nach dem 2:1 und 3:2 wurde es zwar noch einmal kurz eng, doch letztlich siegten die Blackhawks ungefährdet mit 5:2. Das Spiel war aber nicht so rassig wie am Tag zuvor, was wohl auch daran lag, dass die Underdogs nicht viel zu melden hatten.



Während dieses Spiels geschah etwas, das ich so noch nie gesehen habe: Das Eis ging kaputt. Und zwar genau auf einer der blauen Linien. Die Schiedsrichter versuchten zwar, das Ganze mit Wasser aus einer Trinkflasche zu reparieren, doch diese Versuche bleiben weitgehend erfolglos. So lagen nach und nach immer mehr kleine blaue Eisstücke herum. Weitergespielt wurde dennoch bis zum für die Gäste bitteren Ende.





Das Spiel begann übrigens um 7:07 PM. Warum diese ungewöhnliche Face-Off-Zeit gewählt wurde, blieb mir verborgen. Eine Anekdote am Rande war, dass ich zumindest zwei der Schiedsrichter schon im Spiel in Fort Erie gesehen habe - herrscht hier Schiedsrichter-Mangel?

Danach wollte ich noch einmal kurz zu den Wasserfällen, da diese in der Dunkelheit beleuchtet werden. Leider hat auch hier das Wetter nicht ganz mitgespielt, es war doch etwas neblig.

Die American Falls:





Hier die Anlage, die für das Spektakel verantwortlich ist:



In dem Casino, das im Hintergrund zu sehen ist, habe ich übrigens am Nachmittag eine Stunde verbracht. Was die Leute an den einarmigen Banditen toll finden, weiß ich nicht. Aber der Pokerautomat hat mich in den Bann gezogen. Am Ende des Casino-Besuchs stand ein Verlust von 1,40 Dollar. Aber solange man spielt, bekommt man ja Getränke umsonst. Also denke ich nicht, dass ich da reell Verlust gemacht habe. ;)

Und hier noch die Horseshoe Falls,





bevor ich den Abend ausklingen ließ.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Anmerkungen und Fragen? Dafür bin ich immer offen!