Montag, 23. April 2012

Schnee in Rom

Vorweg: Aufgrund der besonderen Umstände sind viele Bilder nur mit der Handykamera entstanden. Für "Visualästhetiker" ist der Bericht eventuell nicht befriedigend ;)

Kurz vor meinem Kanada-Urlaub war ich noch einen Tag in Rom. Ich hatte mir das eigentlich so vorgestellt: Freitags gemütlich anreisen, gegen 17 Uhr mein Hotel beziehen und noch eben ein Eis essen gehen. Samstags wollte ich noch dem Kolosseum und dem Petersdom einen Besuch abstatten. bevor ich gegen 14 Uhr zum Flughafen fahren wollte. Ich kenne Rom ja schon, also ging's mir eigentlich nur darum, dem mitteleuropäischen Winter zu entfliehen.

Gebucht hatte ich den Trip über Opodo, die im letzten Jahr über Groupon einen Gutschein angeboten hatten. 10 Euro kostete der Gutschein und er war 75 Euro wert. So musste ich noch etwa 30 Euro aufzahlen, um Flug und Hotel zu bekommen. Als Hotel war das Excel Montemario gebucht, das eine hervorragende Alternative ist, wenn man nicht direkt in der Innenstadt sein möchte.

Es kam aber doch ganz anders als geplant: Der Abflug in Düsseldorf war noch planmäßig. Doch bereits bei der Landung, die recht holprig war, schwante mir Übles. Am Flughafenbahnhof wurde meine Vorahnung bestätigt. Da ich ja sparsam bin und es zeitmäßig auch nicht viel ausmachen sollte, wollte ich mit dem Regionalzug fahren und nicht mit dem Leonardo-Express. Kurz nachdem ich mein Ticket gekauft hatte, fuhr noch ein Leonardo-Express zum Hauptbahnhof "Termini". Danach ging erst mal knapp 1 1/2 Stunden nichts mehr: Das Schneechaos hat mich erwischt. Wie ich nachher erfahren sollte, war dies der stärkste Schneefall in Rom seit 1985.

Irgendwann kam dann auch mein Zug, der außerhalb jedes Fahrplans fuhr. Am Bahnhof Trastevere wollte ich eigentlich in einen anderen Vorortzug umsteigen, doch auch dies sollte sich als schwierig erweisen. Alle Bahnsteige waren voll mit Fahrgästen, die noch irgendwohin wollten, aber da es seitens der Bahngesellschaft auch keine Informationen gab, nicht wussten, wie sie an ihren Zielort kommen konnten. Der Höhepunkt war dann, als ein Zug augenscheinlich auf einem abweichenden Gleis einfuhr. Wie klein kann doch so eine Bahnsteigunterführung sein... Tokioter Verhältnisse auch in den wenigen Zügen, die noch fuhren:



Rom war mit einer leichten Schneeschicht überzogen:



Nach einem einstündigen Fußmarsch und insgesamt 3 1/2 Stunden Reisezeit für 18 Kilometer war ich dann gegen 20 Uhr in meinem Hotel. Nach dem Auspacken meines Koffers beschloss ich, noch einen kleinen Spaziergang zu machen. Ich hatte geplant, zum Petersdom zu gehen, doch es fuhren keine Busse, Straßenbahnen oder Züge mehr, wie ich später feststellen musste. Nur die Metro war noch in Betrieb. Unterwegs wurde mir bewusst, dass die mediterrane Vegetation dem Schnee nicht unbedingt standhält:



Weiter ging's Richtung Innenstadt. Zu Fuß, weil öffentliche Verkehrsmittel nicht existent waren:



Zum Glück für den Baum stand dieser Fiat Cinquecento hier. Was aber der Besitzer des Fahrzeugs macht, wenn er wegfahren will?



Der Petersplatz im Schnee war aber ein toller Anblick. Sogar der Weihnachtsbaum stand noch da.



Und im Zusammenspiel mit dem beleuchteten Petersdom war der Anblick nahezu überwältigend.



Dazu kommt, dass wahrscheinlich noch nie so wenige Menschen auf dem Platz waren wie zu diesem Zeitpunkt. Ich habe einschließlich mir 3 Personen gezählt. Toll!

Nachdem ich mich die Serpentinen hoch zurück zu meinem Hotel gequält hatte (mein Hotel lag auf dem Monte Mario, mit 139 Metern der höchste "Berg" Roms), erkundigte ich mich noch kurz an der Rezeption, wie das Wetter am nächsten Tag werden soll (weder WLAN noch der Fernseher funktionierte auf meinem Zimmer) und erhielt als Auskunft, dass es unverändert sein soll - immer wieder Schneeschauer. Also war's das mit einem Besuch der Innenstadt. Ich stand gegen 8 Uhr auf, da ich meinen Flug um 16:20 Uhr sicher bekommen wollte. Aus meinem Hotelzimmer war die Aussicht tatsächlich pittoresk: Das zugeschneite Rom - wann wird es das das nächste Mal geben?



Ich verschwendete keine Zeit und nach einer knappen Stunde Wartezeit kam ein Bus zur nächsten Metrostation. Von dort zum "Termini"-Bahnhof und dann mit dem Leonardo-Express zum Flughafen. Erstaunlich gut hat das funktioniert: Ich habe nur noch knapp 3 Stunden gebraucht. Aber irgendwie war ich doch froh, dem Chaos entfliehen zu können. Besonders, als ich mir nach der Rückkehr einen Überblick über die Nachrichtenlage gemacht habe:

Artikel im "Standard"

Weiterer Artikel der Zeitung "heute"

"Winterausrüstung erforderlich", war der Tenor in den Nachrichten. Dies führte teilweise zu skurrilen Szenen: Von Menschen, die Schneeketten aufzogen über Busse, die an Hängen einfach stehenblieben und nicht mehr weiterfuhren bis hin zu einem kompletten Stadtteil, der eine Schneeballschlacht veranstaltete. Inklusive Opa und Oma.

Ebenfalls skurril, aber schon gefährlicher war der anfängliche Versuch der Stadtverwaltung, mit Kehrmaschinen den Schnee von der Straße zu entfernen. Dies führte an einer Straße dazu, dass eine Art "Eisfläche" entstand, auf der man sehr gut hätte Rodeln können. Autofahren war da aber nicht mehr möglich. Diese Straße war irgendwann dann auch gesperrt.

Insgesamt ein Trip, den ich so nicht erwartet habe. Aber dennoch mit Eindrücken, die ich so schnell nicht vergessen werde. Glücklicherweise war der Wintereinbruch am Freitagnachmittag, so dass die Leute am nächsten Tag nicht zur Arbeit mussten. Dann wäre wohl das öffentliche Leben in der Stadt unweigerlich zusammengebrochen. So war es aber eine interessante Erfahrung, dass sogar die Einwohner Roms mit Kameras durch ihre Stadt zogen und ich dadurch nicht gleich als Tourist erkannt wurde. ;)

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